Heilpraktiker oder Homöopath

Heilpraktiker – Homöopath – das ist doch das Gleiche, oder?

diese Frage höre ich sehr oft in der Praxis, wenn ich einem Patienten / einer Patientinnen eine klassisch homöopathische Behandlung empfehle.

Sie sagen dann meist, ich war doch schon bei dem und dem in Behandlung, das war doch homöopathisch. Meist handelt es sich dabei zwar um in ihrem Fachbereich sehr kompetente Kollegen, aber eben nicht um klassisch homöopathisch arbeitende HeilpraktikerInnen oder Ärzte/innen.

Nun mal zu den Begriffen:

In Deutschland gibt es nur zwei Berufsgruppen, die ohne ein Rezept therapeutisch tätig sein dürfen:

Ärzte und Heilpraktiker!

Und so wie es bei Ärzten unterschiedliche Fachärzte gibt – Urologe/In, Frauenarzt/ -ärztin, Hausarzt/ -ärztin usw., so gibt es auch bei den Heilpraktikern oder naturheilkundlich arbeitenden Ärzten / Ärztinnen unterschiedliche Fachrichtungen, wie beispielsweise Akupunktur, Chiropraktik, orthomolekulare Medizin, Pflanzenheilkund und eben die klassische Homöopathie.

Für all diese Fachrichtungen benötigt man zusätzlich zur Arzt- oder Heilpraktikerausbildung eine Fachausbildung – bei klassisch arbeitenden Homöopathen sind das in der Regel 3-5 Jahre zusätzliche Ausbildung.

Was ist jetzt nun „klassische Homöopathie“?

Was macht sie so besonders?

Die Homöopathie wendet ihre speziellen Arzneien nach ganz bestimmten Gesetzmäßigkeiten an. Eine davon – und das ist auch mit die wichtigste – steckt schon im Namen:

„Ähnliches mit Ähnlichem heilen“

Doch was bedeutet das in der Praxis?:

Ich möchte das an einem ganz banalen Beispiel erläutern:

Wenn jemand mit der Beschwerde Verstopfung in eine „normale“ naturheilkundliche Praxis oder in eine klassische Arztpraxis kommt, wird er jeweils eine Arznei erhalten, welche die Verdauung anregt – ein verdauungsförderndes Mittel sozusagen.

In meiner klassisch homöopathischen Praxis ist das anders: ich verordne ein Mittel nach dem o.g. Ähnlichkeitsgesetz, in dem ich eine Substanz heraus suche, die bei einem Gesunden eine Verstopfung erzeugt. Mit Einnahme diesen Mittels wird – vereinfacht gesagt – dem Organismus ein Spiegel vorgesetzt, der ihm zeigt, was nicht ordnungsgemäß funktioniert und somit werden die Selbstheilungskräfte angeregt, ebendies in Ordnung zu bringen.

…und diese Ähnlichkeitsregel kann man bei allen Erkrankungen anwenden:

Bei akuten Krankheiten wie Husten, Schnupfen, Heiserkeit, aber auch und insbesondere bei chronischen Krankheiten jeglicher Art. Der Vorteil von homöopathischen Mitteln ist, dass sie quasi keine Nebenwirkungen haben und auch parallel zu schulmedizinischen Medikamenten eingenommen werden können.

Ein weitere, wichtige Gesetzmäßigkeit der Homöopathie ist, dass wir den Menschen als Ganzes betrachten. Was heißt das?

Bleiben wir beim Beispiel der Verstopfung:

Diese Aussage genügt einem Homöopathen/ einer Homöopathin nicht. Wir wollen auch wissen, wie häufig ist der Stuhlgang? Wie ist die Konsistenz? Ist er schwergängig, Farbe, Form usw. usf.

D.h. hat zur Folge, dass bei zwei Patienten / Innen mit Verstopfung beide ganz unterschiedliche homöopathische Präparate verordnet bekommen – je nach Art der Beschwerden.

Bei chronischen Erkrankungen sind noch viel mehr Informationen notwendig, bevor es zu einer Mittelanalyse kommt – es wird zunächst eine große homöopathische Erstanamnese gemacht:

In dieser besprechen wir nicht nur den heutigen Zustand der Erkrankung sondern auch alle anderen Nebenbeschwerden (Schlaf, Verdauung, Alltagsbeschwerden, häusliche Situation….), sowie welche Erkrankungen es im Laufe des Lebens gab und zuletzt welche Erkrankungen in der Familie vorkamen.

All dies bildet die Gesamtheit des Patienten / der Patientin und ist notwendig für eine gute homöopathische Analyse zur Mittelfindung, um das „ähnlichste“ Mittel zu finden.

Sie sehen also, eine klassisch homöopathische Behandlung unterscheidet sich sehr von anderen naturheilkundlichen Behandlungen und neben den zwei oben genannten Gesetzmäßigkeiten gibt es noch viele mehr, die zur Mittelanalyse beachtet werden müssen und es braucht dafür eine lange Ausbildung.

Ich schlage meinen Patienten / meinen Patientinnen vor allem dann eine klassisch homöopathische Behandlung vor, wenn Beschwerden akut zwar behandelbar sind, aber immer wiederkommen bzw. wenn es sich wirklich um eine chronische Störung handelt.